
Was ist Sadhana?
Das Wort Sadhana hat als Begriff keine Entsprechung in der deutschen Sprache. Unter Sadhana versteht man jede Form spiritueller Übung, von der einfachsten bis zur kompliziertesten. Sadhana schließt alle Bemühungen, Bestrebungen und Tätigkeiten ein, die der Mensch unternimmt, um Befreiung zu erlangen oder sich seinem Ursprung zu nähern, dem Göttlichen in sich selbst.
Die Sadhana in der täglichen Praxis.
“Alles wird durch Unwissenheit hervorgerufen und löst sich auf beim Erwachen der Erkenntnis.” Dieses bedeutende Zitat des berühmten indischen Philosophen und Gelehrten Shankara, bringt sehr gut die Notwendigkeit der täglichen Übung und Praxis zur Geltung. “Alles löst sich auf”, heißt es hier. Dies ist jedoch, wie die meisten Dinge im menschlichen Leben, nur schrittweise möglich. Denn die Natur des Menschen lässt keine ruckweise und unverzügliche Umwandlung zu. Dafür ist die Unwissenheit, man könnte in gewissem Sinne auch von unbewussten Gewohnheiten sprechen, zu tief im Menschen verankert.
Sadhana: Regelmäßigkeit ist unabdingbar.
Stetigkeit und Regelmäßigkeit sind daher unabdingbar. “Steter Tropfen höhlt den Stein”, sagt deshalb auch das allseits bekannte Sprichwort. Dies ist zugleich das wirkliche Geheimnis einer jeden Sadhana. Nicht von ungefähr sitzen die Sadhus, Yogis und Meditierenden täglich früh morgens in tiefer Versenkung und gehen ihren jeweiligen spirituellen Übungen nach – Tag für Tag ohne Unterlass. Dies mag dem westlich geprägten Verstand nun sehr monoton und asketisch oder sogar beängstigend erscheinen. Jedoch ist yogische Disziplin, so formuliert es der spirituelle Lehrer und Mystiker Sri Chinmoy, in Wahrheit die Freude der Seele, des innersten Wesenskern des Menschen.
Das Ziel der Sadhana ist Selbst-Erkenntnis.
Selbst-Erkenntis, Gott-Erkenntnis, Selbstverwirklichung, Gottverwirklichung, Selbstfindung, Gottfindung sind alles unterschiedliche Bezeichnungen für ein und denselben Zustand: Des Zustandes der inneren Erleuchtung. Da die Seele, im Indischen Atman genannt, und das ewige Selbst, Brahman, in Wahrheit untrennbar eins sind, kann der Suchende mit seiner Suche sowohl äußerlich wie auch innerlich beginnen. Das bedeutet, dass das tiefste eigene Ich, oder die Seele, und das höchste Ich, oder Gott, völlig wesensgleich sind. Daher macht es keinen Unterschied, ob der Mensch zuerst seine eigene innere Göttlichkeit oder das Göttliche selbst entdeckt. Aus diesem Grund sprachen die alten Weisen in grauer Vorzeit auch den legendären Satz:
“Tat tvam asi” – “Das bist du”
.
0 comments ↓
There are no comments yet...Kick things off by filling out the form below.
You must log in to post a comment.