
Ist Liebe gleich Liebe?
Ist Liebe nicht gleich Liebe, hört man Menschen oft fragen? Jemand liebt seinen Mann oder seine Frau, seinen Sohn oder Tochter, Freund oder Bekannten und spricht dabei von Liebe. Jedoch wie weit geht diese Liebe? Und, was viel wichtiger ist, ist diese Liebe vereinnahmend oder befreiend, das heißt wird dem anderen eine größtmögliche Freiheit gelassen? Meistens ist ersteres der Fall. Der Gegenüber wird zwar geliebt, diese Liebe wird jedoch an Bedingungen geknüpft – und führt deshalb oft zu Enttäuschungen, weil der andere dem ihm auferlegten eigenen Ideal nicht entspricht. Doch Liebe kann auch befreien, sie sollte und muss es sogar tun, denn dies ist ihre Aufgabe und ihr Ziel – jedoch vorausgesetzt es handelt sich dabei um göttliche Liebe.
Wie kann diese göttliche und befreiende Liebe erreicht werden?
Durch die vollkommene Konzentration auf das Göttliche. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan. Das Göttliche atmet in dieser Welt der Formen und Farben unerkannt im Hintergrund und ist für das physische, menschliche Auge unsichtbar. Genau aus diesem Grund ist die Herabkunft der spirituellen Meister und Yogis unabdingbar. “Gott kann nur in einem anderen Menschen erkannt werden”, sagt der bekannte Mystiker Swami Vivekananda. “Genauso wie eine Katze sich nur eine andere Katze als Gott vorstellen kann.” Das menschliche Mental ist zu begrenzt, um von der äußeren Form abweichen zu können. Genau aus diesem Grund nimmt der spirituelle Meister eine menschliche Form an – er bildet die Brücke vom Bekannten zum Unbekannten.
Liebe: Der Verwandler der Anhaftung.
Natürlich könnte man jetzt auch hier von Anhaftung sprechen. Wie kann ein Schüler, der seinen Meister liebt, sich befreien? Dies mag tatsächlich auf den ersten Blick widersprüchlich zu obiger These erscheinen. Hierzu muss man aber wissen, dass der Meister durch seine intensiven, inneren Bemühungen selbst keinen Anhaftungen mehr unterliegt. Es stimmt, er ist ein Mensch, jedoch nur noch der äußeren Form nach. In seinem Innersten hat er sich mit dem grenzenlosen Kosmos vereinigt und kann diesen Kosmos deshalb widerspiegeln. Der Schüler liebt daher, obwohl die äußere Hülle menschlich ist, keinen Menschen mehr, sondern das Göttliche selbst.
Liebe: Von der Theorie zur Praxis.
Unzählige Bücher ranken sich um die oben aufgeführte Meister-Schüler-Beziehung. Sie geben dabei viele anschauliche Bespiele, um diese Thematik noch besser verstehen zu können. Zum Beispiel hat der Meditationslehrer Sri Chinmoy in seinem Buch “Meister und Schüler” viele interessante Aspekte zu diesem Thema aufgegriffen. Darüber hinaus haben die großen Meister und Yogis wie Sri Aurobindo, oder der oben bereits erwähnte Swami Vivekananda ausführlich darüber geschrieben. Jedem Interessierten sei deshalb ein Studium dieser Werke empfohlen. Menschliche Liebe und göttliche Liebe – zuerst getrennt, später vereint oder wie es der Yogi Sri Chimmoy so schön sagt:
“Wahrheit ist in allem, jedoch die Liebe ist alles.”
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