Ulrike Meyfarth – nach 12 Jahren nochmals Gold

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Noch einmal nach 12 Jahren.

12 Jahre sind im Leben eine recht lange Zeit. In der Leichtathletik sind sie jedoch eine Ewigkeit. Die Wiederholung eines Olympiasieges ist natürlich möglich, kommt aber eher selten vor – und dann vier Jahre später. Hingegen eine Medaille, geschweige denn Goldmedaille, 12 Jahre später noch einmal zu gewinnen, ist eine wirkliche Rarität. Ulrike Meyfarth ist dieses außerordentliche Kunststück in ihrer Disziplin, dem Hochsprung, gelungen. Zuerst als junges Mädchen 1972 in München, dann 1984 als erwachsene Frau in Los Angeles.

München 1972.

Die erst 16-jährige Ulrike Meyfarth war alles andere wie die große Favoritin bei diesen Spielen gewesen. Obwohl sie zwar ein Jahr zuvor Deutsche Jugendmeisterin und im Olympiajahr Dritte bei den Deutschen Meisterschaften geworden war, galten andere als Medaillenanwärterinnen. Auch ihre Bestleistung von 1,85 Metern wies sie nicht unbedingt als Titelaspirantin aus. Dafür war die olympische Konkurrenz dann doch zu stark. Ein Dutzend Namen konnten hier aufgeführt werden. Allen voran Ilona Gusenbauer aus Österreich. Erst ein Jahr zuvor war sie mit 1,94 Metern neuen Weltrekord gesprungen. Aber auch Miloslava Rezkowa (CSSR) und Rita Schmidt (DDR) wurden große Siegeschancen eingeräumt. Doch es kam ganz anders: Ulrike Meyfarth sprang über 1,92 Metern und stellte damit den Olympischen Rekord ein. Gleichzeitig waren dies vier Zentimeter mehr, als irgendeine ihrer Konkurrentinnen. Dies bedeutete die olympische Goldmedaille. Die Münchner Zuschauer waren begeistert.

Los Angeles 1984.

1976 in Montreal war Ulrike Meyfarth bereits an der Qualifikationshöhe von 1,80 Metern gescheitert, gewann jedoch die Weltmeisterschaft ein Jahr später. 1980 wurden die Spiele von den meisten westlichen Ländern boykottiert. So musste Ulrike Meyfarth 12 lange Jahre auf eine zweite Chance warten. Und diese kam. Trotz Achillessehnenproblemen und einer gewissen Müdigkeit, die die vielen Trainingsjahre auf diesem hohen Niveau mit sich brachten, hatte sie am Wettkampftag das bessere Ende für sich. Dabei konterte sie zweimal die guten Sprünge der Italienerin Sara Simeonei, bevor sie mit 2,02 Metern, im wahrsten Sinne des Wortes, allen davonflog. Irgendwie hatte Ulrike Meyfarth es geschafft, die Zeit um 12 Jahre zurück zu drehen. “Das Alter liegt zu einem großen Teil im Verstand”, sagt diesbezüglich der spirituelle Lehrer und Freund der Leichtathletik Sri Chinmoy. Ulrike Meyfarth hatte dies sehr anschaulich durch ihre hervorragende Leistung bewiesen. Auch war sie reifer geworden. So antwortete sie auf eine Frage von Journalisten, die sie auf ihre etwas nüchtern wirkende Haltung bei der Siegerehrung ansprachen, verglichen mit dem recht ungestümen Mädchen 12 Jahre zuvor: “Gefühle kann man nicht beschreiben, man kann sie nur erleben.”

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