
Schweden entdecken - von West nach Ost oder auf den Spuren von Nils Holgerson.
Die dänische Küste um Frederikshavn ist längst aus dem Blickfeld entschwunden. Das Meer liegt ruhig und stumm unter dem weiten Horizont. Nur ab und an wird die friedliche Stille von lautem Möwengeschrei unterbrochen. Im großen Rumpf des Fährschiffes herrscht allerlei Treiben. Jedoch hier, auf dem obersten Deck, ist alles angenehm verhalten. In einiger Entfernung, scheinen auf einmal kleine Konturen sichtbar zu werden. Die schwedische Küste? Die distanzierten Silhouetten verdichten sich und nun werden erste Landstriche auch dem bloßen Auge sichtbar. Die Vorfreude steigt. Das tiefe Meeresblau hat jetzt einen etwas türkisnen Farbton angenommen. Langsam läuft das riesige Fährschiff in die Bucht von Göteborg ein. Das gelbe Kreuz auf blauem Hintergrund, die Nationalflagge Schwedens, weht zur Begrüßung. Genauso wie ein überdimensionales, fahnenartiges Schild auf dem in großen, leuchtenen Buchstaben geschrieben steht: “Willkommen in Göteborg, dem Herzen Skandinaviens!”
An Land.
Langsam und besonnen dockt das Fährschiff am Kai an. Niemand scheint es mehr erwarten zu können, an Land zu gehen. Dann ist es endlich soweit! Die Füße berühren zum ersten Mal schwedischen Boden. Das Klima ist jetzt, Mitte April, recht mild und die Sonne strahlt in ihrem schönsten Frühlingsschein. In einiger Entfernung sind die Umrisse gigantischer Hinweistafeln zu erkennen. Bei näherer Betrachtung wird auch klar weshalb: Das größte Sportstadion (Ullevi), der größte Vergnügungspark (Liseberg), das größte überdachte Einkaufszentrum Skandinaviens (Nordstan) und einiges mehr wird hier angepriesen. Viel Zeit bleibt allerdings nicht, denn schon in den Nachmittagsstunden soll es nach Stockholm weitergehen. Aber immer noch genug, die berühmte Stadt ein wenig genauer in Augenschein zu nehmen.
Göteborg: Das Herz Skandinaviens.
Die hübschen Häuser wirken fast verspielt in ihren hellen, kontrastreichen, warmen Farbtönen, wie sie sich gegen den tiefblauen Horizont abheben. Ja, Göteborg ist eine schöne Stadt. Vor allem jedoch ist sie eines: sauber, fast unglaublich sauber. So, als wäre gerade ein Besenwagen vorbei gekommen. Das dies für Schweden typisch ist, ist eine Tatsache, die erst noch erfahren werden will. Vorbei geht die Sightseeing-Tour an vielen, weit angelegten Plätzen, modernen und gut erhaltenen älteren Gebäuden, sowie Dutzenden imposanten Kirchen und Stadteinrichtungen. Irgendwie wirkt alles neu und antik, lebendig und beschaulich zugleich. Die Fahrt ist angenehm und wird nur hin- und wieder von dem dichten Mittagsverkehr unterbrochen. Durch die mitreisenden Dänen und Schweden entsteht zudem ein amüsantes Dialektgemisch. Obwohl es sich doch eigentlich um zwei verschiedene Sprachen handelt - das ungeübte Ohr kann nicht den geringsten Unterschied erkennen. Bald ist die Rundfahrt beendet und der Bus hält direkt vor dem Göteborger Zugbahnhof.
Weiterreise nach Stockholm.
Wer noch nie in einem schwedischen Bahnhof war, wird überrascht sein. Keine Warteschlangen, keine Hektik, sowie ein angenehmes Ambiente kennzeichnen diese Orte. Hier heißt es: Wartenummer ziehen und auf einer bequemen Couchgarnitur Platz nehmen und gleichzeitig die Leuchtziffern über den vielen Schaltern im Auge behalten. Wenn die eigene, gezogene Nummer irgendwo aufleuchtet, ist es soweit. Um es gleich vorweg zu nehmen: Probleme mit den Mitarbeitern der schwedischen Bahn, die unter privater Regie fährt, oder sogar Sprachbarrieren, gibt es nicht. Freundlichkeit und eine vollkommene Beherrschung der englischen Sprache scheinen hier oberstes Prinzip zu sein. Und nicht nur hier, wie sich später noch heraus stellen wird. Bald schon geht die Fahrt deshalb ungetrübt weiter - Richtung Stockholm.
Im Zug nach Stockholm.
Unzählige Seen, eine weich dahinfließende Landschaft und ein saftiges Grün wohin das Auge reicht, so lässt sich das schwedische Frühlingsland vielleicht am besten charakterisieren. Penible Sauberkeit in den Abteilen und sanitären Einrichtungen und modernste Zugausstattungen - dies charakterisiert hindessen die schwedische Bahn. Bald schon liegt Göteborg weit zurück und der Blick ist gebannt von der Anmut dieser südskandinavischen Ebene. Seen, Wälder und kleine Flüsschen laden ein, sich ganz dem Moment zu ergeben. Ist dies nicht der Landstrich, wo die vielen berühmten Kinderromanhelden zu Hause sind, die durch Astrid Lindgren und Selma Lagerlöff zu Weltruhm kamen? So geht die bezaubernde Fahrt dahin und irgendwann sind schließlich die Ausläufer von Stockholm erreicht. Hier heißt es wieder umsteigen für das nächste und aufregendste Ziel der Reise: Narvik, Nordnorwegen.
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