Mit dem Zug an die Nordspitze Skandinaviens - ein Reisebericht, Teil 1

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Vom Herzen Deutschlands bis in das Herz Skandinaviens.

“Die Reise selbst ist aufregender als das Ziel. Unglaublich, jedoch völlig wahr.” (Sri Chinmoy) Inspiriert von ähnlichen Gedanken, geht die Fahrt durch die Nacht. Und sogar Goethe hatte ja gesagt, dass man schließlich nicht reise um anzukommen. Während es letzteren jedoch Richtung Süden, nach Italien zog, setzt der Nachtzug seine einsame Fahrt unbeirrt wie die Kompassnadel fort - gen Norden. Sein Ziel: Hamburg und Dänemark.

Eine kleine Ewigkeit.

Eine kleine Ewigkeit scheint bereits vergangen zu sein. Die Dunkelheit verschluckt auch das letzte Licht, welches schon bald vollkommen erloschen ist. Rhythmisch rattert der Nachtzug den endlosen Schienenstrang entlang. Ein ganz besonderes mittnächtliches Wiegenlied. Draußen sind, durch die halb herunter gelassenen Vorhänge, die schnell vorbei gleitenden Silhouetten kleinerer Dörfer und Städte zu erkennen. Der Atem verschwimmt mit dem Grau der Nacht, bis schließlich auch er, vom Rhythmus der Wagenräder angeregt, die Kühle des Schlafes berührt.

Hamburg ist erreicht.

Ein Signal ertönt. Die Augen werden durch das erste Spiel der morgendlichen Farben irritiert. Doch die Vorfreude auf das Abenteuer überwiegt. Rasch sind die Vorhänge des Schlafwagenabteils zur Seite gezogen. Ein gewagter, erster Blick aus dem Fenster gibt bereits viel Neuartiges preis. Hügel und Wälder sind verschwunden. Dafür erscheint eine topfebene Landschaft vor den überraschten Augen. Sie wird von moos- und efeubewachsenen, erdfarbenen Backsteinhäusern akzentuiert. Mit der Zeit werden die Ansiedlungen dichter, bis sie schließlich zu einer großen Stadt anschwellen: Hamburg ist erreicht.

Umsteigen.

Die Luft ist klar und eine steife Brise kündigt den Wohnsitz der Nordgötter an. Flensburg - Frederikshavn ist auf einem Hinweisschild zu lesen. Das Tor zu Skandinavien! Der Zug ist nur mäßig besetzt und gleitet bald wie auf einer Kompassnadel dahin - immer gen Norden. Die Grenze zu Dänemark kommt schnell näher. Ab jetzt beginnt der Aufbruch ins Unbekannte. Erwartungsvoll richtet sich der Blick dem Horizont entgegen, der tiefblau in der Ferne erstrahlt. Dänemark hat sein schönstes Sonnenkleid angezogen, und scheint etwas schüchtern in der warmen Mittagssonne zu schimmern. Bäume sind nur noch vereinzelt zu erblicken. Genauso wenig wie größere Ansiedlungen. An ihre Stelle treten weite, einsame Landschaften, die friedlich und still die Sinne beruhigen.

Im Herzen Dänemarks.

Die geografische Mitte Dänemarks ist erreicht. Die Zugabteile haben sich gefüllt. Die Ruhe jedoch ist geblieben. Angenehm unaufgeregt verhalten sich die dänischen Mitreisenden. Mit der Zeit leert sich der Zug wieder und irgendwann ist er plötzlich an der Endstation angekommen: Frederikshavn, der Nordspitze Dänemarks. Jetzt heißt es aussteigen und sich eine Unterkunft für die Nacht suchen. Dies stellt jedoch kein Problem dar. Wie auf einem Tablett laden kleinere Herbergen zur abendlichen Zuflucht ein. Früh schon ist der Tag beendet, denn morgen heißt es ausgeruht sein für die große Überfahrt nach Schweden. Die Nordgötter singen ein angenehmes Schlaflied wie sie in gleichmäßigem Spiel über das strohne Dach streichen. Und schon bald fällt alles in einen tiefen Traum.

Abenteuerliche Überfahrt.

Nach einem herzhaften Frühstück geht es Richtung Fährschiff. Am Hafen angekommen schweift der Blick ehrfürchtig über die haushohen Linienkreuzer. Alles scheint hier riesig und überdimensional zu sein. Fast macht es den Eindruck, als hätten sich ihre gigantischen Bugkörper in ein Zwergenland verirrt - so wie Gulliver bei seiner unfreiwilligen Reise. Die Anspannung wächst. Wohin der Blick auch schweift wird be- und entladen oder betreten Fährpassagiere die Reling. Dann ist es endlich soweit. Etwas ängstlichen Schrittes geht es hinauf zu einem dieser Schiffsriesen, als gelte es den Mount Everest zu besteigen. Das Signalhorn ertönt und der Riese bewegt sich. Das Ufer wird kleiner und kleiner, bis es schließlich am Horizont verschwindet. Die Überfahrt nach Schweden hat begonnen!

( Teil 2, Teil 3)

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