Die innere Tiefe entdecken durch Beobachtung

    sc-43-bambus

Beobachten führt in die Tiefe.

Beobachten, alles nur beobachten”, lautet der weise Ratschlag vieler buddhistischer Zen-Meister. Man könnte hierbei auch von Achtsamkeit sprechen, im Sinne von etwas Beachten, ohne sich jedoch damit zu identifizieren. Denn die Probleme entstehen erst durch die Bindung die der Mensch, bewusst oder unbewusst selbst erschafft. In Wirklichkeit ist er jedoch vollkommen losgelöst und frei und kann das Leben als göttlicher Beobachter genießen.

Beobachten des Lebens als Film.

Die meisten Menschen kennen sicherlich die Situation, dass ihnen ihr Dasein unwirklich und fremd vorkommt. So wie ein Film, dessen Anfang bereits vergessen und dessen Ende ungewiss ist. Genau dieser Umstand birgt in sich aber auch eine gute Gelegenheit, dem eigenen Leben etwas distanzierter gegenüber zu treten. Denn der wahre Moment findet niemals in der Welt der flüchtigen Formen statt, deren Vergänglichkeit oft irreal und surreal wirkt, sondern weit außerhalb davon - tief im eigenen Innern. Deshalb ist es notwendig, die Position eines unbeteiligten Beobachters einzunehmen, der nichts begehrt und nichts ablehnt.

Sri Chinmoy und Beobachtung.

Der spirituelle Lehrer Sri Chinmoy vergleicht diesbezüglich diese Welt mit den zwei göttlichen Vögeln namens Suparna. Diese Vögel, die bereits in den alten indischen Schriften, den Veden, Erwähnung finden, symbolisieren sowohl die menschliche Ebene der Wünsche wie auch den Himmel der ewigen Seligkeit. Je nach Entwicklungsstand kann der einzelne Mensch einem dieser beiden Seinsbereiche zugeordnet werden. Das Ziel des Menschen ist es, die Freiheit des Vogels der Seligkeit zu erlangen, dem göttlichen Beobachter, und zu erkennen, dass er in Wahrheit keine Begrenzungen hat.

Beobachten führt in die Tiefe.

Durch stetiges Gewahrsein und damit verbundene ständige Selbstbeobachtung, erkennt der Mensch, dass sein so genanntes Leben eine Sinnestäuschung wenn nicht sogar ein Trugschluss ist. Nicht das es überhaupt keine Realität und Wirklichkeit besitzen würde, aber diese Realität ist völlig anders als es der Mensch Tag für Tag annimmt. Viele seiner Aktionen und Reaktionen sind eigentlich konditioniert, eine fast unabänderliche Abfolge gleichartiger Lebenssituationen, denen scheinbar nicht zu entrinnen ist.

Das scharfe Schwert der Beobachtung.

Doch sobald er das scharfe Schwert der Beobachtung und es Gewahrseins gebraucht, werden sich dadurch Lücken in seinem Alltagsbewusstsein auftun, durch die das wahre Sein ungehindert fließen kann. Der Automatismus des Lebens versiegt und der wahre Mensch kommt zum Vorschein. Bis es jedoch so weit ist, muss er die Haltung eines göttlichen Kriegers einnehmen, der seine Gedanken und Emotionen vollständig unter Kontrolle hat und alleinig das Ziel der inneren Erkenntnis und das Entdecken der inneren Tiefendimension anstrebt. Oder wie es der berühmte Meister Don Juan einmal so schön formulierte:

“Der (innere) Krieger wartet. Und er weiß worauf er wartet. Und während er wartet, begehrt er nichts.”

0 comments ↓

There are no comments yet...Kick things off by filling out the form below.

You must log in to post a comment.