
Sri Chinmoy über die Bedeutung der Upanishaden.
Es wird gesagt, sie seien die feinste Milch, die aus den Eutern der unsterblichen vedischen Schriften gemolken wurde. Wer Wissen suche, ewiges Wissen, müsse die Upanishaden studieren. Viele spirituelle Persönlichkeiten haben über sie geschrieben und zu ihrem Studium angeregt, einem Studium bezüglich der Unendlichkeit der Existenz. Denn, wie sagt die Iso-Upanishad selbst:
“Unendlichkeit ist dies, Unendlichkeit ist das. Aus Unendlichkeit ist Unendlichkeit entstanden. Nimmt man von Unendlichkeit Unendlichkeit hinweg, verbleibt Unendlichkeit.
Sri Chinmoys Buch über die indischen Schriften und Upanishaden.
In seinem Buch “Veden, Upanishaden und Bhagavadgita”, beschreibt der Meditationslehrer und Mystiker Sri Chinmoy die große Bedeutung der Upanishaden. Einer alten Überlieferung zufolge, skizziert er dort, gab es einmal 1180 Upanishaden. Jede kam von einem Zweig oder Sakha der Veden. Davon wurden 200 Upanishaden allgemein bekannt. Von diesen 200 sind heute 108 überliefert. Will ein Mensch die ewige Wahrheit nicht nur theoretisch sondern auch praktisch leben, um so grenzenlose, innere Weisheit zu erlangen, muss er die 13 wichtigsten davon studieren.
Sri Chinmoy über die Sprache der Upanishaden.
Die Sprache der Upanishaden wirkt oft rätselhaft, obwohl oder vielleicht gerade weil sie höchste Erkenntnisse offenbart. Wenn die Iso-Upanishad zum Beispiel sagt: “Das bewegt sich und das bewegt sich nicht. Das ist weit entfernt und dasselbe ist nah. Das ist in allem und das ist außerhalb von allem”, scheint diese Aussage dem äußeren Verstand unverständlich und nebulös zu sein. Begreift man so wie ein Eingeweihter, ein Yogi, jedoch die innere Symbolik der Worte, ergibt sich etwas überaus Erhellendes. In diesem Fall eine tiefere Beschreibung Brahmans. Brahman, Gott in seinem absoluten, höchsten Aspekt, so Sri Chinmoy, ist unwandelbar, ewig ruhend. In seinem relativen Aspekt, Seinem kosmischen Spiel oder Lila, ist Er jedoch ewig sich verändernd, ewig sich entwickelnd, ewig sich offenbarend.
Sri Chinmoy erläutert die vier Bwusstseinszustände der Upanishaden.
Laut den Upanishaden existieren vier Bewusstseinszustände: Der Wachzustand, der Traumzustand, der Zustand des tiefen Schlafes, sowie der Zustand des ewig-sich-selbst-übersteigenden Brahman, auch transzendenter Zustand genannt. Dieser vierte Bewusstseinszustand vereinigt die ersten drei in sich und geht zudem noch weit über sie hinaus. Ein weit fortgeschrittener Yogi, so Sri Chinmoy, kann hier den klanglosen Klang, Aum, tatsächlich hören. Zudem wird er ein vollkommenes Instrument des höchsten Selbst.
Sri Chinmoy, die Upanishaden und das höchste Selbst.
Die Upanishaden lehren, dass dieses Selbst nur durch eine tiefe, innere Sehnsucht erkannt und verwirklicht werden kann. Der Intellekt, wie stark er auch ausgeprägt sein mag, ist nicht dazu in der Lage. Im Gegenteil, so sagt die Taittiriy-Upanishad: “Von wo (die Region des höchsten Selbstes) die Worte, die Macht der Rede, mit einem verwirrten Geist zurück kehren, ohne das Ziel erreicht zu haben.” Dieses Selbst, so Sri Chinmoy, wird in dieser Welt durch fünf Hüllen bedeckt: der grob-physischen Hülle des Körpers, der Hülle der vitalen Natur des Menschen, auch Lebenskraft genannt, der mentalen oder intellektuellen Hülle, der Hülle des höher entwickelten Wissens und der intuitiven Fähigkeiten, sowie der Hülle der Glückseligkeit.
Sri Chinmoy, die Upanishaden und das höchste Ziel.
“Erkenne dich selbst”, sagt das Orakel von Delphi. Genauso sprechen die Upanishaden, wenn sie verkünden: “Tat tvam asi – das bist du”. Der Mensch ist nichts anderes, wie das Höchste Selbst, jedoch noch unbewusst. Dies sind ihre mutigen und erhellenden Worte. “Das Selbst zu kennen, heißt das Selbst zu werden.” Dies ist das Geheimnis der Geheimnisse. Hier kommt der spirituelle Meister ins Spiel. Jemand, der das Selbst erkannt hat, kann es einem anderen Menschen zeigen, es sozusagen für ihn repräsentieren. Deshalb raten die Upanishaden ausdrücklich, so Sri Chinmoy, diese Hilfe anzunehmen.
Wahrheit, Brahman und das Selbst sind eins. Daher verkünden die Upanishaden letztendlich:
“Sehe die Wahrheit, fühle die Wahrheit, wachse in die Wahrheit hinein und erkenne schließlich – du bist die Wahrheit!”
Erschienen in Diederichs Gelbe Reihe, “Veden, Upanishaden und Bhagavadgita” von Sri Chinmoy
ISBN: 3-424-01160-6. Auch erhältlich über Golden Shore Verlag, Nürnberg.
0 comments ↓
There are no comments yet...Kick things off by filling out the form below.
You must log in to post a comment.