
Vidyasagar: Gelehrter, Weiser und intellektueller Gigant.
“Vidyasagar – Gelehrter, Weiser und intellektueller Gigant arbeitete hart und entbehrungsreich, um eine neue indische und bengalische Gesellschaft zu erbauen.” Diese Worte des Begründers des integralen Yogas, Sri Aurobindo, richten den Blick auf einen der bedeutendsten indischen Reformer aller Zeiten, Ishwar Chandra. Er war Stärke, Einfachheit, Demut, Güte und Weisheit in Personalunion. Da letzteres sehr stak ausgeprägt war, nannte man ihn einfach Vidyasagar, was “Meer der Weisheit” bedeutet.
Vidyasagar und Napoleon.
Interessant ist der Umstand, das Vidyasagar und Napoleon beides Persönlichkeiten waren, die sehr viel gemeinsam hatten. Beide waren durchflutet von einem unbezähmbaren Willen, der seinerseits etwas im Gegensatz zu ihrer unterdurchschnittlichen körperlichen Größe stand. Beide bewunderten und liebten ihre Mütter über alles und beide waren dermaßen so stark von einem heldenhaften Geist durchdrungen, dass die Außenwelt sie als große Anführer annahm: Napoleon eroberte dabei das Herz Frankreichs, Vidyasagar das Herz Bengalens.
Anekdoten über Vidyasagar.
In einem seiner zahlreichen Werke, beschreibt der Poet und Yogi Sri Chinmoy zwei amüsante Begebenheiten in Vidyasagars Leben. Da Vidyasagar in seiner Jugend sehr eigensinnig war, widersetzte er sich in schöner Regelmäßigkeit dem Willen seiner Eltern, indem er immer genau das Gegenteil von dem tat, was sie von ihm verlangten. Sein Vater, der mit der Zeit dieses Verhaltensmuster durchschaute, griff deshalb zu einer Finte. Er verlangte seinerseits immer das Gegenteil von dem, was er wünschte das sein Sohn tun sollte. Auf diese Weise gelang es ihm, die Erziehung Vidyasagars zu seiner vollsten Zufriedenheit durchzuführen.
Die zweite Anekdote handelt von einem Besuch Vidyasagars beim Universitätsdirektor einer großen Schule. Da Indien unter britischer Vorherrschaft stand, wurden die Inder oft sehr respektlos behandelt. Als Vidyasagar deshalb zur Tür hereinkam, sah er, wie der Direktor seine Beine auf den Tisch gelegt hatte, was ein Zeichen der Geringschätzung und zudem eine große Beleidigung darstellte. Doch Vidyasagar zahlte es ihm in gleicher Münze heim. Als nämlich der Direktor seinerseits Vidyasagar einen Besuch abstattete, blickte er beim Betreten dessen Amtszimmers nicht nur auf Vidyasagars Beine, sondern sogar noch auf dessen Schuhe, die dieser genüsslich auf dem Empfangstisch ausgebreitet hatte. Als dem Schuldirektor ob diesem, in seinen Augen unerhörten Verhalten, die Zornesröte ins Gesicht stieg, meinte Vidyasagar nur süffisant: “Wir Inder waren schon immer gelehrige Schüler.”
Vidyasagar – ein Leben von Dienst und Hingabe.
Vidyasagars Gott war die Menschheit. Vidyasagars Religion war es, dieser Menschheit vorbehaltlos zu dienen. Seine Eltern waren seine Schutzpatronen. Auf den Wunsch seiner Mutter hin begründete er Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Obdachlosenheime, die allen Menschen, besonders den Ärmsten der Armen, kostenfrei zu Verfügung standen. Seine Definition von Gott lautete wie folgt: “Gott ist die formenlose Selbst-Form von Bewusstsein.” Vidyasagar stand fernab jeder konventionellen Haltung und begegnete den Menschen vorbehaltlos und bedingungslos. So sind vielleicht auch die verehrenden Worte Rabindranath Tagores, des Literatur-Nobelpreisträgers zu erklären, der einmal sagte: “Vielleicht hat Gott nur aus Versehen einen einzigen wahren Menschen unter 70 Millionen so genannte Menschen, die Indien und Bengalen bevölkern gesandt.” Vidyasagars Wirken wird in diesem großen Subkontinent immer unvergesslich bleiben.
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