
Lyrik: Sprache in ihrer Vollendung.
In Lyrik oder Poesie hat die menschliche Sprache ihren Zenith erreicht. Man könnte sogar sagen, dass sie hier eine Berührung des Göttlichen erfahren hat. Lyrik schenkt Zufriedenheit. Weitaus mehr, als es Prosatexte tun können. So bemerkte der berühmte indische Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Rabindranath Tagore einmal, dass eine einzige Zeile gelungener Poesie seitenweise geschriebene Prosawerke nicht nur aufwiegen, sondern sie sogar übertreffen könne.
Die Ursprünge der menschlichen Sprache.
Poesie ist eine er ursprünglichsten Formen der menschlichen Sprache. Denn bereits in grauer Vorzeit wurden geheimnisvolle rhythmisch-lyrische Texte verfasst, die bis heute teilweise unübertroffen sind. So haben zum Beispiel die alten indischen Weisen der Vergangenheit ihre verschlüsselten Aussagen in derart wohlklingende Worte gehüllt, dass dadurch der wahre Sinn und Zweck der menschlichen Sprache vollkommen zur Geltung kam: Als Träger und Bote von Schönheit und Wahrheit. Gleiches gilt für andere Kulturen, wie jene der ägyptischen und chinesischen oder auch den alten Indianer-Überlieferungen Nord-, Mittel-, und Südamerikas.
Die Lyrik Sri Chinmoys und anderer Meister.
Schönheit und Wahrheit, ein anmutiger Ausdruck der geschriebenen Sprache, verbunden mit der Suche nach höchsten Wahrheiten, dem Einen ohne ein Zweites, dies sind die Worte der Meister. Sri Chinmoy kann an dieser Stelle exemplarisch für viele stehen, hat er doch die spirituelle Poesie in bisher unbekannte Dimensionen empor gehoben - sowohl quantitativ wie auch qualitativ. Er war das, was man in Indien einen Kabi, einen Seher-Dichter nennt. Jenen Poeten, der die Gabe besitzt höchste Wahrheiten durch seine Feder verkörpern zu können. Und dabei keinem vorgefassten Konzept folgt, sondern sich alleinig dem Moment mit seiner jeweiligen Inspiration verpflichtet fühlt.
Das Werk Sri Chinmoys und der Begriff der Selbst-Transzendenz.
Wohl über hunderttausend Gedichte und Aphorismen hat der Yogi und Autor Sri Chinmoy in seinem äußerst schöpferischen Leben verfasst. Dabei ist der Begriff der Selbst-Transzendenz stets ein wichtiges Merkmal seiner poetischen Sprachkunst gewesen. Beginnend in den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Gedichtreihen von 50, 100, 1000 oder mehr literarischen Kompositionen, verfasste Sri Chinmoy zwei gewaltige Serien von 10.000 beziehungsweise 27.000 Gedichten. Sein letztes Werk, ein gigantischen Projekt mit 77.000 dichterischen Sprachschöpfungen blieb unvollendet. Jedoch hat der Poet mehr als 50.000 davon fertig gestellt. Auch inhaltlich befassten sie sich stets mit der Transzendenz des Menschen hin zum Göttlichen, eines der Hauptmotive von Sri Chinmoys Dichtkunst. Jener Transzendenz, die letztendlich zur höchsten Erkenntnis führt, dem, “Wer bin ich wirklich?”
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