
Tagore: Verkörperung der Schönheit der Kunst.
“Muss Kunst schön sein?” So lautete einmal die Überschrift eines Vortrages. Rabindranath Tagore, indischer Sriftsteller, Dichter und Literatur-Nobelpreisträger, war die Verkörperung der künstlerischen Schönheit. Daher ist es äußerst interessant und aufschlussreich, seine Ansichten zu dieser Thematik zu erfahren. Und darüber hinaus die Meinung anderer Autoren bezüglich Tagores Werk.
Tagore und der Sinn der Kunst.
Tagore hatte eine starke Verbindung zur Natur. Der Aspekt den er an ihr jedoch am meisten schätzte, war ihre Schönheit. Für ihn war deshalb die einzige Aufgabe der Kunst, diese Schönheit auszudrücken. Vom mystischen Standpunkt könnte man auch sagen, wie es der Meditationslehrer und Yogi Sri Chinmoy tut: “Kunst selbst ist ein Ausdruck der verschiedenen Stufen des Bewusstseins.” Sri Aurobindo, der Begründer des modernen Integralen Yogas, sagt ähnliches: “Kunst der Kunst willen, gewiss – Kunst als ein vollkommener Ausdruck und Entdecker von Schönheit; jedoch auch Kunst der Seele willen, des Geistes Willen und als Ausdruck all jenem, was die Seele, der Geist durch das Medium Schönheit ausdrücken möchten.” Und in den Worten Tagores: “Kunst, wie das Leben selbst, ist aus eigenem Antrieb heraus gewachsen, und der Mensch hat sein Vergnügen daran gefunden, ohne exakt zu verstehen, was Kunst genau ist.”
Tagores Ansichten über die Kunst des Orients und des Okzidents.
Es gibt einen beträchtlichen Unterschied zwischen der Kunst des Westens und jener des Ostens, bezüglich des Verständnisses von Schönheit. Tagore meint dazu:
“Die Größe und Schönheit der östlichen Kunst besteht darin, dass hier die Künstler die alldurchdringende Seele geschaut haben und daran glauben. Der Westen mag an die Seele des Menschen glauben, jedoch glaubt er nicht an die Existenz einer universellen Seele. Dieser Glaube des Ostens jedoch, sowie sein gesamter mentaler Beitrag an die Menschheit, ist durchflutet von dieser Vorstellung. Deshalb brauchen wir im Osten, nicht in Details zu gehen und diese betonen, weil das wichtigste für uns die universelle Seele ist, wofür die östlichen Weisen in Meditation saßen und die östlichen Künstler ihnen in ihrer künstlerischen Verwirklichung gefolgt sind.”
Genau aus diesem Grund ist im Osten Kunst die ewige Suche nach einer all-erfüllenden Schönheit und Harmonie. Die ewige Bemühung der Einswerdung mit der universellen Seele.
Schönheit und Wahrheit in den Worten Tagores.
Für viele Menschen sind Wahrheit und Schönheit zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Jedoch ist Schönheit nichts anderes, wie ein vollkommener Ausdruck der Wahrheit oder wie es John Keals unsterblich formuliert hat: “Schönheit ist Wahrheit, Wahrheit Schönheit.” Betrachtet man nun den Sinn und Zweck der Kunst in diesem Licht, das heißt alleinig in ihrer Bestrebung die ewige Wahrheit auszudrücken und nichts anderes, ist die logische Konsequenz auf die eingangs gestellte Frage: “Muss Kunst schön sein?”, ein unmissverständliches “Ja”. Dazu abschließend eine Anmerkung des berühmten bengalischen Schriftstellers Nolini Kanta Gupta:
“Die Welt ist schön, so Tagore, weil sie eine Widerspiegelung des Schönen ist, weil sie das Göttliche, welches höchste Schönheit repräsentiert, in sich hält, ausdrückt und verkörpert.”
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