Vishnu und Krishna: Die Essenz der indischen Kultur.
Was ist ein Geheimnis? Ein Geheimnis ist etwas Verschleiertes, etwas noch nicht Entdecktes, Unerforschtes. In diesem Kontext ist das Absolute oder Brahman ein Geheimnis, da es noch mit dem Mantel des Unerkannten bedeckt ist. Aber hin und wieder offenbart es sich in dieser Welt der Formen und wird für das begrenzte menschliche Auge sichtbar. Das Göttliche kann dabei fast unzählige von verschiedenen Gestalten annehmen und bleibt in seiner Essenz doch stets unverändert. Manche dieser Manifestationen sind von der Erdenbühne nicht mehr wegzudenken und haben die Menschen über die Jahrtausende hinweg angeleitet und inspiriert. Eine dieser Offenbarungen ist Krishna, eine Inkarnation Vishnus, dem Beschützer und Erhalter dieser Welt.
Vishnu: Der Erhalter der Welt.
In der indischen Mystik symbolisiert Vishnu die Schönheit und Harmonie der Schöpfung. Gleichzeitig jedoch fordert er von seinen Verehrern strenge Disziplin, wenn es um ihr spirituelles Leben verbunden mit der höchsten Selbsterkenntnis geht. Obwohl diese Strenge auf den ersten Blick etwas irritierend wirkt, ist sie doch Anzeichen seines unendlichen Mitgefühls, das den Menschen so schnell wie möglich von den Fesseln der Unwissenheit befreien will. Vishnu ist deshalb sozusagen auch der Bewahrer des Dharmas, des Auftrages, den die menschliche Seele hier auf Erden erfüllen soll.
Wie Vishnu dargestellt wird.
Der Körper Vishnus wird meistens in tiefem Blau dargestellt, welches die endlose Weite des Universums symbolisiert. Um seinen Nacken trägt er eine juwelenartige Kette – die Galaxien. Seine vier Arme deuten an, dass er über alle Himmelsrichtungen herrscht. Sein Reitgefährt ist der kosmische Adler Garuda, mit dem er die Weiten der Schöpfung durchquert. Obwohl gnadenreich ohnegleichen, ist Vishnu trotzdem für seinen etwas schelmenhaften Humor bekannt. Vishnu ist jederzeit fürsorglich, freundlich, zugänglich, verständnisvoll und badet stets im Ozean der himmlischen Ruhe.
Krishna – eine Inkarnation Vishnus.
Krishna ist die wohl bekannteste und beliebteste Verkörperung Vishnus. So wie alle seine anderen Inkarnationen, verkörperte sich auch Krishna in einer Zeit des Leidens und der spirituellen Anfechtung. Es war deshalb seine Aufgabe diesem Leiden ein Ende zu bereiten und die asurischen oder feindlichen Kräfte zu besiegen. Obwohl Krishna eigentlich nur eine der zahlreichen Verkörperungen Vishnus ist, wird er oft von seinen Verehrern mit diesem gleichgesetzt. So kraftvoll ist seine spirituelle Macht. Der Name Krishna, so wird gesagt, geht auf das Sanskritwort “krish” zurück, was soviel wie “alle Aufmerksamkeit auf sich lenken” bedeutet. Krishna, behaupten seine Anhänger, ist die höchste Gottheit selbst, jedoch mit einem menschlichen Antlitz.
Wie Krishna dargestellt wird.
Normalerweise wird Krishna als ein Knabe oder Jugendlicher portraitiert, der als Kuhjunge in dem idyllischen Dorf Brindaban seine Kindheit verbringt. Er hat lange Haare, in dem eine Pfauenfeder steckt, die wie dunkle Regenwolken sein bläulich schimmerndes Gesicht umwallen. Mit seinen Lippen spielt er auf seiner Flöte die Melodien der Ewigkeit, denen weder Mensch noch Tier widerstehen können. Er trägt ein goldenes Samtgewand und eine Girlande um seinen Hals, die aus wildgewachsenen Blumen zusammen geflochten wurde. Auf seiner Brust glänzt ein geheiligter Juwel.
Vishnu und Krishna symbolisieren das höchste Selbst.
Dies ist wie Krishna, eine Verkörperung des Göttlichen, vom seinen Verehrern dargestellt wird. Ist dieses Bild auch spezifisch, so ist seine Anziehungskraft auf alle Geschöpfe trotzdem universell. Krishna symbolisiert daher den Funken des Höchsten in jedem Herzen. Solange der Mensch diesen Funken jedoch noch nicht in sich wiederentdeckt hat, solange wird er rastlos und unerfüllt bleiben. Dieser göttliche Funken ist es, der seine wahre transzendente Natur ausmacht. Vishnu oder Krishna repräsentieren deshalb auch das große Selbst, welches sich tief im Menschen verborgen hält. Oder wie des der Mystiker und Yogi Sri Chinmoy in einer Gedichtzeile anmutig formuliert hat:
“Das Erhabene und ich sind eins, all-überdauernd.”
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