
Vom Ursprung der Zauberworte.
Natürlich kommt man im Zeitalter von Harry Potter nicht an der bedeutenden Frage vorbei: Was ist dran an den magischen Formeln, Sprüchen und Ritualen? Durchstöbert man diesbezüglich die alten Mythen, Märchen oder Schriften wird plötzlich deutlich: eigentlich eine ganze Menge. Doch wie entstanden sie und natürlich viel wichtiger, wie und für welche Zwecke sind sie anwendbar? Doch alles der Reihe nach.
Der Anfang aller Zauberworte.
Am Anfang war das Wort, heißt es in der Bibel. Dadurch entstand das sichtbare Universum sowie auch die Erde. Worte haben also folglich einen göttlichen Ursprung und sind somit weit mehr als bloße Lautgebilde. Sie sind Manifestationen einer Kraft, einer schöpferischen Kraft. Die meisten heiligen Worte waren dabei schon immer den Eingeweihten vorbehalten, damit sie nicht für irgend ein niederes Motiv missbraucht werden konnten. Denn was dann passiert kann man sehr schön in Goethes “Zauberlehrling” nachlesen: “Die ich rief die Geister, werd´ ich nicht mehr los.” Das Geheimnisvolle eines mystischen Wortes ist also letztlich ein Schutz für den Uneingeweihten, für jenen, der die Kraft des Wortes noch nicht beherrschen kann.
Der Glaube und die Autorität eines Zauberwortes.
“Glaube versetzt Berge”, heißt die bekannte Redensart. Je stärker der Glaube, desto umfassender die Wirkung. Berühmt ist in diesem Zusammenhang die Stelle aus dem Evangelium, wo Jesus spricht: “Ihr Glaube hat ihr geholfen.” Er sagt nicht: “I c h habe ihr geholfen”, obwohl von ihm die heilende Kraft ausging. Das bedeutet, dass der G l a u b e an das Wort oder die Zauberformel, jenem oder jener seine oder ihre wirkliche Macht gibt. Umso autoritärer der Zauberer, das heißt umso glaubwürdiger, desto stärker die Auswirkung, wie an aufgeführtem Beispiel aus der Bibel gut erkennbar. Der Glaube ist dabei das vollkommene Gegenteil von etwas Weichem, Zartem oder vagem Vermuteten. Er ist etwas Solides und Konkretes. Solider und konkreter als die scheinbar so unverrückbare physische Wirklichkeit.
Worte als Hilfsmittel.
Obwohl Worte auch ihre Bedeutungen an sich haben, wie man zum Beispiel das Mantra Aum, welches laut dem spirituellen Lehrer Sri Chinmoy und anderen Eingeweihten enorme Kräfte enthält, sind sie darüber hinaus auch Hilfsmittel, um den menschlichen Glauben zu aktivieren. Das bedeutet, sie sind sowohl Selbstzweck als auch Mittel zum Zweck.
Was kann mit der Magie der Worte erreicht werden?
Was kann man also folglich durch ein Wort erreichen? Eigentlich alles, vorausgesetzt es mangelt nicht an Glauben daran oder an der Person, die das Wort benutzt und ausspricht. Die alten indischen Schriften sind in diesem Zusammenhang gefüllt mit Geschichten, die ein Mantra, ein heiliges Wort, in ihren Mittelpunkt stellen. Auch in jüngerer Zeit wie zum Beispiel in dem Film “Matrix” oder “Herr der Ringe” kommt diese Verbindung von Glauben und Wort sehr gut zur Geltung. Das Wort kombiniert mit dem Glauben daran ist daher die Zauberformel schlechthin oder wie es Hermann Hesse in seinem unsterblichen Gedicht “Das Glasperlenspiel” sagt:
“Wir lassen vom Geheimnis uns erheben der magischen Formelschrift, in deren Bann
das Uferlose, Stürmende, das Leben zu klaren Gleichnissen gerann.”
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