
Der Sadhu und seine ewige Suche.
In fast jedem religiösen System gibt es Menschen, die sich alleinig auf das Göttliche konzentrieren. Im Hinduismus nennt man diese Menschen Sadhus, im westlichen Kulturkreis Mönche. Daher kennt die hinduistische Gesellschaft zwei Arten des Lebens in dieser Welt, die aus eben jenem Mönchsleben sowie dem Leben in einer Familie besteht. Beide Wege stehen sich dabei gleichwertig gegenüber. Durch die Familie entsteht die Gelegenheit, dem Göttlichen im jeweiligen Menschen zu dienen. Das Leben des Sadhus konzentriert sich ausschließlich auf das Göttliche selbst, wenn er auch einige soziale Dienste für die Allgemeinheit übernimmt.
Die Herkunft des Wortes Sadhus.
Das Wort Sadhu ist so alt wie die Sprache des Sanskrit selbst. Jene Sprache, in der die bedeutenden indischen Schriften, die Veden und Upanishaden, verfasst sind. Diesem Wort werden deshalb viele Bedeutungen zugesprochen. In der ursprünglichen religiösen Begriffssprache des Hinduismus bezeichnet es einen Menschen von großer spiritueller Gelehrtheit. Jemanden, der hohe religiöse Werte in seinem Leben zu verwirklichen anstrebt oder diese bereits verwirklicht hat sowie tugendhaft in seinen Gedanken, Worten und Taten ist.
Weitere Herkunftsbeschreibungen des Wortes Sadhu.
Desweiteren beschreibt der Rig-Veda mit diesem Begriff auch all das, welches auf direktem Weg, sozusagen unbeirrbar wie ein Pfeil, das Ziel erreicht. Demnach ist ein Sadhu auch ein Mensch, der durch das Führen eines geheiligten Lebens in kürzester Zeit an seinen Zielen der inneren Befreiung und Selbstverwirklichung ankommt.
Der Sadhu der Moderne.
Heutzutage, im modernen Sprachgebrauch, beschreibt der Begriff des Sadhu eine Person die Heim und Familie verlässt, um sich ganz der spirituellen Suche nach dem höchsten eigenen Selbst, nach Gott, zu widmen. Dies versucht sie zu erreichen, indem sie ein Leben der Entsagung führt und verschiedene religiöse und soziale Pflichten erfüllt. Dieses Leben ist außerdem gekennzeichnet vom Dharma, welches im engsten Sinne den jeweiligen Lebensweg umreißt.
Der Sadhu und der moderne Integrale Yoga.
Im noch moderneren Sinn, im vom Yoga-Meister Sri Aurobindo begründeten “Integralen Yoga”, wird der Welt eher innerlich als äußerlich entsagt. “Wem oder was entsagen wir?”, fragt deshalb auch in diesem Zusammenhang der spirituelle Lehrer Sri Chinmoy, um gleich darauf selbst zu antworten: “Der eigenen Unwissenheit, nicht irgend einem Menschen oder einer Sache.” Daher ist jeder Einzelne dazu eingeladen, die Welt der äußeren Formen hinter sich zu lassen und das Göttliche dort zu suchen, wo es alleinig zu finden ist: Tief im eigenen Innern.
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